Der Leerverkauf – Wertpapiere richtig shorten

Der Leerverkauf stellt eine Besonderheit des Verkaufs von Wertpapieren dar. Entscheidet sich ein Anleger, ein Finanzinstrument (z.B. Wertpapier) an den Finanzmärkten zu verkaufen, ohne dass er dieses zum Zeitpunkt des Verkaufs besitzt, spricht man von einem Leerverkauf.

Ein Leerverkauf wird auch durch die Begrifflichkeiten „short gehen“ und „shorten“ zum Ausdruck gebracht und führt zu einer sogenannten „Short-Position“.

Das Ziel des Leerverkaufs

Das Ziel ist, das verkaufte Finanzinstrument (z.B. Wertpapier) durch das Gegengeschäft zu einem geringeren Preis „zurück“ zu kaufen.

Das Delta zwischen dem Kauf- und Verkaufspreis des gehandelten Finanzinstruments entscheidet über den jeweiligen Gewinn oder Verlust der Transaktion.

Die Besonderheit beim Leerverkauf (auch short selling genannt), ist das etwas verkauft wird, was man zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht besitzt.

Leerverkauf - Wertpapiere richtig shorten

Leerverkauf - Wertpapiere richtig shorten

Beispiel für den Leerverkauf von Aktien:

Herr Mustermann tätigt einen Leerverkauf, indem er im ersten Schritt 200 Aktien zu je 100 Euro verkauft.

Bei diesem Leerverkauf hat er das Ziel, die 200 Aktien im zweiten Schritt zu einem späteren Zeitpunkt für durchschnittlich weniger als 100 Euro pro Aktie zurück zu kaufen.

Profitabler Leerverkauf

  1. ​Leerverkauf (short) von 200 Aktien * 100 Euro = 20.000 Euro Wert der Position (am Hoch der Bewegung)
  2. ​Rückkauf von 200 Aktien zu je 90 Euro = 18.000 Euro Wert der Positon (vom Hoch in die Konsolidierung)

Herr Mustermann hat seine Wertpapiertransaktion erfolgreich ausgeführt.

Er konnte einen Gewinn von 2.000 Euro erzielen, indem er zunächst einen Leerverkauf von nicht in seinem Besitz befindlichen Aktien tätigte und diese zu einem späteren Zeitpunkt zu einem geringeren Preis kaufte.

Der Differenzbetrag zwischen den beiden Transaktionen reflektiert den Gewinn. Entscheidend ist, dass der Verkaufspreis höher war als der Kaufpreis.

Dass der Verkauf in Form eines Leerverkaufs als erstes erfolgte ist für die Ermittlung des Gewinns zweitrangig.

Unprofitabler Leerverkauf

  1.     Leerverkauf (short) von 200 Aktien * 100 Euro = 20.000 Euro Wert der Position zu Beginn
  2.     Rückkauf von 200 Aktien zu je 110 Euro = 22.000 Euro Wert der Position am Ende

Herr Mustermann hat seine Wertpapiertransaktion leider nicht wie gewünscht abschließen können.

Die Kurse stiegen und er musste die Aktien zu einem höheren Preis „zurück“ kaufen.

Er musste einen Verlust von 2.000 Euro realisieren, nachdem er zunächst einen Leerverkauf von nicht in seinem Besitz befindlichen Aktien tätigte und diese zu einem späteren Zeitpunkt zu einem höheren Preis zurück kaufte.

Das Delta zwischen den beiden Transaktionen reflektiert das Ergebnis, in diesem Fall einen Verlust. Entscheidend ist, dass der Verkaufspreis niedriger war als der Kaufpreis.

Dass der Verkauf in Form eines Leerverkaufs als erstes erfolgte ist für die Ermittlung des Ergebnisses zweitrangig.

Die mit dem Leerverkauf in Zusammenhang stehenden Finanzierungskosten

In Abhängigkeit zum gewählten Finanzinstrument, fallen für das Beibehalten einer durch den Leerverkauf entstandenen Short Position unterschiedliche Finanzierungskosten an.

Diese müssen unbedingt beim Eröffnen der Position in die Gewinnerwartung einbezogen werden.

Broker, Banken und Emittenten erheben unterschiedliche Gebühren über die sich Privatanleger im Vorfeld informieren sollten.

Finanzierungskosten schmälern die Gewinnerwartungen. 

Es ist zu beachten, dass es Finanzinstrumente und Produkte gibt, die z.T. sehr hohe Finanzierungskosten enthalten.

So kann es z.B. vorkommen, dass das z.T. aus den Finanzierungskosten resultierende Aufgeld (Agio) deutlich höher sein kann, als der innere Wert des gewählten Finanzinstruments.

Leerverkauf – Die gesetzlichen Bestimmungen

Investoren, die beabsichtigen ein Finanzinstrument zu shorten, müssen sich im Vorfeld bereits darüber informieren, ob ein Shorten des jeweiligen Finanzinstruments überhaupt zulässig ist.

So gibt es beispielsweise bei Amerikanischen Aktien sogenannte „short sale restrictions“, die z.B. das Shorten von Aktien unter bestimmten Umständen untersagen (z.B. bei hohen Kursverlusten oder bei Veröffentlichungen von Unternehmenskennzahlen).

In diesen Fällen ist ein Leerverkauf nicht oder nur eingeschränkt möglich.

Warum ist das wichtig?

Nehmen wir an, ein Trader möchte ein Handelssystem betreiben, das historisch betrachtet hohe Gewinne bei Leerverkäufen aufweist. 

Er weißt jedoch, dass das jeweilige Finanzinstrument auf dem jeweiligen Basiswert nicht immer leerverkauft werden kann.

Das Risiko beim Handel mit realem Vermögen ist also, dass nicht alle Signale umgesetzt werden können und damit möglicherweise die Gewinne geschmälert werden.

Wenn es Einschränkungen in Bezug auf die Umsetzbarkeit des jeweiligen Handelssystems gibt, dann geschieht dies i.d.R. zu Lasten der Systemkennzahlen.

Die Chancen und Risiken beim Leerverkauf

Die Möglichkeit, einen Leerverkauf durchführen zu können, verschafft dem Händler ein deutlich erweitertes Spektrum an Handlungsoptionen.

Ein Leerverkauf kann die Ertragskurve positiv beeinflussen und die Erwirtschaftung von Gewinnen auch bei fallenden Märkten ermöglichen.

Das Risiko lässt sich beim Leerverkauf in den meisten Fällen nicht begrenzen. Abhängig von der Wahl des Finanzinstruments können Anleger ein Vielfaches von dem verlieren, was sie einsetzen.

Darum gehört der Leerverkauf auch zur Kategorie der sehr spekulativen Anlageformen. Insbesondere das Shorten von Optionen ist mit überproportional hohen Risiken verbunden.

Während beispielsweise beim traditionellen Kauf einer Aktie die Chance unbegrenzt ist und das Risiko maximal dem Kaufpreis entspricht, so ist beim Leerverkauf jener Aktie die Situation spiegelbildlich. Beim Leerverkauf ist das Risiko unbegrenzt und die Chance limitiert.

Im Wesentlichen besteht das Risiko darin, dass Anleger zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht wissen können, zu welchem Preis die Position durch einen Kauf glattstellt werden kann.

Bei Long-Trades ist es im Worst Case bei 0. Bei einem Short-Trade gibt es keine Limitierung des Risikos. Die Verfügbarkeit und der Preis spielen hierbei die entscheidende Rolle.

Leerverkauf mit automatischen Handelssystemen

Insbesondere in volatilen Märkten wird häufig diskutiert, dass Leerverkäufe als Bedrohung für die Finanzmärkte gelten.

Während Automation bei Privatanlegern eher nur bedingt zum Einsatz kommt, handeln institutionelle Anleger fast ausschließlich automatisiert.

D.h. der Computer übernimmt die Entscheidung, wann eine Transaktion durchgeführt wird.

Auch Trading Indikatoren helfen dabei, jederzeit den Überblick zu behalten. Typische Tradingsoftwareprogramme wie der MetaTrader (MT4 | MT5) und die in Deutschland ebenfalls weit verbreitete NinjaTrader Trading-Software können mit einer Vielzahl an Trading-Indikatoren umgehen.

In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Kettenreaktionen, bei denen computergestützte Transaktionen die Märkte ins Ungleichgewicht brachten.

Aus diesem Grund gibt es immer mehr regulatorische Anforderungen, die die Märkte vor der Überflutung durch Leerverkäufe in Sekundenbruchteilen schützen sollen.

Sollten Privatanleger den Leerverkauf als Handlungsoption für sich identifizieren, dann bietet es sich an, ebenfalls über die Automation von Handelsentscheidung nachzudenken.

Denn beim automatisierten Handel, obliegt einem dann nur noch die Überwachung der Transaktionen.